Ifugao – Reisterrassen


Nun steht uns noch ein absolutes Spitzenerlebnis bevor – die fünftägige Tour zu den über 2000 Jahre alten Reisterrassen. Zu recht auch das 8. Weltwunder genannt.
Morgens gegen 08.00 – die Luchons, Spanferkel, wurden gerade zubereitet – begann die Reise erst noch mit einer kurzen Tour durch Manila. Der Weg führte weiter in die Zentralebene von Luzon. In dieser Gegend wird nicht nur Reis angebaut, auch Zuckerrohr wird hier geerntet. Luzon ist jedoch das grösste philippinischen Reisanbaugebiet. Überall wird entlang der Strasse frischer Reis getrocknet.

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Vorbei an kleinen Städten und Dörfer fuhren wir Richtung Darlton-Pass. Die Strasse windet sich entlang den Bergen, durch Täler und Schluchten. Bereits waren die ersten Reisterrasse zu sehen, bevor wir im Laufe des Nachmittages in Banaue, dem Zentrum der berühmten Terrassen eintrafen und das Hotel bezogen.

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Am nächsten Morgen nach dem Frühstück fuhren wir in einem Jeepney zu den grossen Reisterrassen, die sich auf über 250 Quadratkilometern ausbreiten. Auf 1200 M. ü.M war der Morgen noch leicht wolkenverhangen. Wie an den Berg geklebt zeigt sich Banaue. Schon nach kurzer Fahrt sahen wir die ersten Reisterrassen. Vor 2000 Jahren mit einfachstem Werkzeug den Bergflanken abgetrotzt, ganze Gebirgsstöcke in Reisterrassen verwandelt. Die ältesten Terrassen werden sogar auf 3000 Jahre geschätzt. In schwerer Arbeit bearbeiten die Ifuegos mühsam die Reisfelder – noch gleich wie vor Jahrhunderten.

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Auf einer Strasse, die diesen Namen kaum verdient, nicht mehr als ein in den Fels gehauener Saumpfad, holperten wir etwa eine Stunde Richtung Ost. Entgegenkommendem Verkehr kann jeweils nur mit viel Geschick, manchmal recht waghalsigen Manövern ausgewichen werden. Die Landschaft jedoch wurde immer fantastischer. In den Dörfern entlang des Weges werden schöne Holzschnitzereien angeboten. Man kann sogar zusehen wie diese entstehen. Eines der Hauptmotive ist der „Bulul“ – der Reisbeschützer. Er soll dafür sorgen, dass der Reisvorrat bis zur nächsten Ernte reicht.

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Der Höhepunkt der Exkursion war aber zweifelsohne das in den Reisfeldern gelegene malerische Dorf Bangaan. Hier scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.

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Ein ca. ½ stündiger Abstieg zwischen den Reisterrassen führt etwas abenteuerlich zu den paar Hütten. Auf dem Weg kamen wir auch an einer Schule vorbei, doch trotzdem mangelt es leider an jungen Leuten. Ohne sie ist dieses grossartige Kulturgut aber höchst gefährdet. Es ist ihnen jedoch kaum vorzuwerfen, wenn sie sich wo anders eine etwas leichtere Arbeit suchen. Der zunehmende Tourismus hilft nun ein wenig, den Abwanderungstrend einzudämmen.

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Die Alten sitzen vor ihrer Hütte und lassen sich gerne für ein paar Pesos fotografieren. Auch öffnen sie ohne weiteres ihre einfachen Behausungen, lassen uns Touristen einen Blick auf ihre wenigen Habseligkeiten werfen. Es ist schon etwas schizophren – als Touristen finden wir alles sehr pittoresk, ja fast malerisch – doch würden wir so leben wollen!

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Anstrengend und vom Gefühl her viel länger war der Weg nach oben! Mehr wie einmal mussten wir eine kurze Verschnaufpause einlegen. Wie schaffen das nur die Dorfbewohner von Bangaan – wenn möglich noch bepackt mit Lebensmittel? Doch wir schafften es und genossen anschliessend ein gutes Mittagessen im nahen Bangaan Family Inn. (Im einzigen Doppelzimmer kann man schon für total 200.—Pesos/ 5.—SFr. übernachten)

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Nach dem Essen ging es die gleiche Route wieder zurück nach Banaue. Im Laufe des Nachmittages erreichten wir nach einer eindrucksvollen und erlebnisreichen Exkursion das Hotel.
Am dritten Tag führte uns die Reise nach Bontoc , zu den hängenden Särge in Sagada und endete auf dem 2200 m hohen Pass Mt. Data.
Nach einem zeitigen Frühstück fuhren wir gegen 08.00 Uhr Richtung de s ca. ½ Std entfernten „Banaue View Point“. Für uns völlig ungewohnt – Hausarbeiten, z.B. Wäsche, werden ganz selbstverständlich auf der Strasse verrichtet. Am Strassenrand, an der Sicherheitsplanke wird die Wäsche zum Trocknen aufgehängt. Da stört kein Verkehr.
Abenteuerlich windet sich die unbefestigte Hauptverkehrsader zwischen Banaue und Bontoc den Berg hoch. Wir erreichten den View Point bei bestem Morgenlicht – welche Aussicht! Schlicht überwältigend. Was da das Volk der Ifugaos vor über 2000 Jahren leistete – unglaublich. Ihre heute noch sehr bescheidene Lebensart steht im extremen Gegensatz zu den gewaltigen Reisterrassen.

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Heute sitzen sie – nach einem harten, arbeitsreichen Leben – auf einer Bank und warten bis sie fotografiert werden, um so ein paar zusätzliche Pesos zu verdienen. (Die Frauen waren übrigens nicht älter wie 65 Jahre!)

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Immer höher schraubt sich die Strasse. Noch immer wird in dieser 1800 m bis 2000 m hoch gelegenen Bergregion Reis angepflanzt.
In den Wolken sieht man knapp den Passübergang. Pinien- und Nebelwälder bestimmen das Landschaftsbild.

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Nach dem Passübergang führt die Strasse kurz durch eine wenig bewohnte Berglandschaft – mal runter mal wieder einige Höhenmeter rauf. Holprig und schlecht war sie immer noch. Recht gefährlich, manchmal mit abgerutschten Strassenstücken, windet sie sich an steilen Berghängen entlang. Ein richtiges Abenteuer. Doch unser Reiseführer meinte nur lakonisch: Wenn uns der Bus bis 09.00 Uhr entgegen kommt, ist die Strasse offen und auch wir kämen durch.

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Doch bald öffnete sich das Tal wieder. Eine neue Gegend tat sich auf. Wieder mit eindrucksvollen Terrassen, nur dieses Mal wird darin nicht nur Reis sondern auch Gemüse angepflanzt. Was hier auffällt ist die andere Terrassenbauart. Um Banaue sind die Terrassen mit Erdwällen gebaut, um Bontoc jedoch mit Steinen. Hier lebt ein anderer Menschenschlag.

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Bontoc liegt auf etwa 900 müM und ist die Hauptstadt der Bergprovinz. Als Marktzentrum der Zentral-Kordilleren eine recht quirlige Ortschaft. Ein kleines dort ansässiges Museum gibt einen hervorragenden Einblick in die unterschiedliche Lebensweise der hier ansässigen Volksstämme. Auch wenn die Gründerin des Museums eine Nonne war, subtil wird auf die zum Teil noch heute praktizierte Naturreligion eingegangen – z.B. Umgang mit Verstorbenen, Totenkult oder die noch bis ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhundert ausgeübte Kopfjägerei.
Neben dem Museum befindet sich die Elementarschule. Generell fällt in den Philippinen auf, wie gepflegt und herausgeputzt die Schulen im allgemeinen sind und die Schulkinder in adretten Uniformen zum Unterricht erscheinen.

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Nach einem Abstecher nach Sagada zu den „hängenden Särgen“ – den man sich in Anbetracht der miserablen Strasse eigentlich ersparen könnte – geht es dem Chico River entlang Richtung Mt. Data.
Der Halsema Mountain Highway wie sich die holperige, mit Schlaglöchern übersäte Naturpiste nennt, windet sich in 30 km bis zum 2200 müM gelegenen Hotel Mt. Data hoch.
Landschaftlich ist die die Gegend jedoch unbedingt sehenswert. In dem breiten Tal gibt es noch ein paar eindrückliche Reis- und Gemüseterrassen, auch einige Goldwäscher versuchen ihr Glück im Flusslauf. Übrigens gar nicht so erfolglos – in den Kordilleren gibt es grössere Gold, Silber und Kupfer Vorkommen.

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Am gemütlichen Kaminfeuer liessen wir die vielen imposanten Eindrücke des vergangenen Tages noch einmal Revue passieren.

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Am 4. Tag dieser Reise ist das Ziel Baguio. Von Mt. Data nur etwa 100 km weit. Der wunderschöne Morgen gab eine spektakuläre Sicht auf eine einzigartige Landschaft frei. Noch einmal stieg die Strasse bis auf 2255 müM. dem höchsten Punkt der Halsema Road. Dann führt die nun recht gut ausgebaute Strasse zwischen tiefen Schluchten und hohen Klippen nach Baguio. Die Strecke gehört sicher zu den Schönsten der Welt. Interessante Fotomotive fanden sich in Abatan – einem quirligen Marktflecken mit zahlreichen Geschäften.

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Baguio ist die Sommerhauptstadt der Philippinen. Auf 1500 müM. bietet sie in dieser Zeit die angenehme Kühle. Der Club John Hay – früher der Erholungsort der Amerikaner – ist heute mit Golfplatz, Schwimmbad und Tennisplätzen auch der Öffentlichkeit zugänglich. Das einstige Anwesen der Familie Marcos ist allerdings kurz vor dem Zerfall. Vom Mines View Park geniesst man ein grossartiges Panorama auf das Tal und in die Berge. Im Mansion übernachtete auch schon Altkanzler Kohl, so wird stolz erzählt.

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Baguio ist aber auch eine Marktstadt. An unzähligen Ständen wird Gemüse angeboten. Ein Angebot so frisch, knackig und sauber findet man kaum in Europa. Über 30 Sorten Reis gibt es hier zu kaufen.

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Unsere Tour näherte sich dem Ende zu. Ein letztes Mal erlebten wir noch einen landschaftlichen Höhepunkt. Auf der Kennon Road, wegen den vielen engen Kurven von den Filippinos auch Zigzag Road genannt, ging es in kurzer Distanz von 1500 müM. auf knappe 500m herunter. Diese Strasse wurde anfangs des 20. Jahrhunderts unter der Leitung der amerikanischen Armee durch japanische Arbeiter gebaut. Da die einheimische Bevölkerung um ihre Bodenschätze , Gold, fürchteten, verweigerten sie jegliche Mitarbeit. Über 2000 Arbeiter verloren bei diesem Strassenbau ihr Leben.

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Ein letztes gemeinsames Mittagessen bevor es wieder zurück nach Manila ging. Ein Abschied einer unvergesslichen, hoch interessanten Erlebnistour.

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Für uns bedeutete es auch gleich den Abschluss unserer Philippinenreise, denn am selben Tag flogen wir nach Europa zurück. Allerdings nicht ganz wie ursprünglich geplant. Wegen der Flugänderung durch die ETIHAD ergaben sich in Abu Dhabi einige Unannehmlichkeiten. Für den Hinflug von Europa nach Manila wurde alles bestens geregelt, jedoch nicht für die Heimreise. Durch die Flugverschiebung hingen wir über 21 ! Stunden im Flughafen von Abu Dhabi. Trotz unserer Intervention zeigte der zuständige Manager keinerlei Verständnis bzw. Entgegenkommen für eine Hotelreservation. Unser Fehler, da wir die neuen Tickets nicht genau kontrollierten. Trotzdem – wenig kundenfreundlich!
Doch das Fazit dieser Asienreise ist ungeteilt positiv. Neben den angenehmen Badeferien auf Bohol, bleibt wohl die Bewunderung für ein einfaches Naturvolk, das wahrscheinlich schon vor 3000 mit dem Bau der Reisterrassen eine bauliche Meisterleistung vollbrachte.